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Entscheidungskriterien

Status: Entwurf

Wie entscheidet der Mandats-Analyst (mit Workbench-Unterstützung), ob sich die Aufnahme einer Liegenschaft als Mandat lohnt — für die Holding und für den Eigentümer? Beim seltenen Eigenbestand-Fall oder im investorischen Renditerechner-Case wird zusätzlich ein Erwerbs-Cashflow geprüft.

Kennzahlen-Set Holding-Case

KennzahlBedeutungSchwelle (Beispiel)
NPVNet Present Value über Lebensdauer> 0 bei Zinssatz X
IRRInterne Verzinsung> Hurdle Rate (z. B. 8 %)
AmortisationJahre bis Cashflow ≥ 0< N Jahre
Cash-on-Cash Y1Cashflow / Eigenkapital im Jahr 1> X %
Holding-Marge(Erlöse − Kosten) / Erlöse über alle Töchter> X %
Tochter-Risikobeitragmaximaler Verlust einer Tochter im Worst Case< Limit

Zahlen oben sind Platzhalter — die konkreten Schwellen sind fachliche Festlegung der Holding.

Schwellen sind user-konfigurierbar (Workbench)

Die Schwellen oben werden nicht hartcodiert. Sie liegen als Stammdaten in einem decision_threshold_set (eigene Entity, siehe Entitäten-Katalog) und sind in der Workbench einstellbar.

  • Default-Set pro Tenant — gepflegt von der Modellierer-Rolle, freigegeben von Management. Versioniert; jeder freigegebene Case bekommt einen Snapshot des aktiven Sets ins Dossier.
  • Explorations-Set pro Case — Analyst darf für einen einzelnen Case ein abweichendes Set anlegen oder einzelne Schwellen überschreiben. Begründung pflicht; Override wird im Audit-Log und Dossier sichtbar gemacht.
  • „Was-wäre-wenn-bei-anderer-Schwelle” — Szenarien können sich ausschließlich in der Schwellen-Konfiguration unterscheiden (z. B. Hurdle Rate 6 % vs. 8 % vs. 10 %), um die Empfehlungs-Sensitivität zu zeigen.
  • Ampel-Bandbreiten (✅ / ⚠️ / ❌) sind ebenfalls Bestandteil des decision_threshold_set: pro Kennzahl ein Triplet (green_min, yellow_min, red_below). Damit lässt sich der Gelb-Bereich pro Holding definieren ohne Code-Änderung.
  • Snapshot bei Freigabe — beim Übergang freigabe → aktiv wird das verwendete Threshold-Set in das Case-Dossier eingefroren (zusammen mit Modell-Version, Stammdaten-Snapshot, Annahmen-Set).

Vorteil: die konkreten Zahlen müssen nicht vor V1 fachlich final stehen — die Holding kann mit groben Defaults starten und über reale Cases iterieren. Die Plattform unterstützt Exploration als First-Class-Use-Case.

Eigentümer-Sicht

Pro Mandat existieren zwei Cashflows nebeneinander. Für die Eigentümer-Sicht zählen:

KennzahlBedeutung
NPV EigentümerBarwert aus Erlös-Anteil + Ersparnissen − Eigentümer-CapEx − Eigentümer-OpEx
Amortisation Eigentümer-Investitiontypisch verkürzt durch Mieterstrom (Größenordnung 6 statt 10 Jahre bei PV-Anteil)
Wertsteigerung der Liegenschaftindirekter Effekt durch Energieklasse-Hebung + Vermietbarkeit
Nebenkosten-Senkung für MieterMarketing-Argument; mittelbar Mietsteigerungs-Spielraum

Empfehlung wird nur ausgesprochen, wenn beide Sichten positiv sind. Ein für die Holding profitables Mandat, das den Eigentümer netto schlechter stellt, ist nicht abschließbar.

Spezifische Kriterien je Modul

Mieterstrom + PV + Speicher

KriteriumBezug
PV-Eigenverbrauchsquotesollte > 50 % erreichen für wirtschaftlichen Mieterstrom
Speichergröße / PV-LeistungVerhältnis 1 kWh : 1 kWp als grobe Regel
Mieterstrom-Anschlussquotewieviel % der WE schließen ab?
Liegenschaftsmodell-TauglichkeitWärme- + Wasser-Submetering technisch möglich (Voraussetzung für EEG-freies Liegenschaftsmodell)
Mieterstrom-Tarif vs. Grundversorgertarifmind. 10 % unter Grundversorger (gesetzlich gefordert)
EEG-Pfad als VarianteMieterstromzuschlag möglich? Im Standardmodell ohne EEG, aber als Szenario rechenbar

Sanierungs-Add-on (optional)

KriteriumBezug
Sanierungstiefe vs. Energieeffizienz-KlasseFörderfähigkeit (KfW), Energieausweis nach Sanierung
Eigentümer-FinanzierungsfähigkeitSanierung wird typisch fremdfinanziert, nicht direkt bezahlt

Risikobetrachtung

Markt

  • Strompreis-Verfall (PV-Wirtschaftlichkeit)
  • Zins-Anstieg (Finanzierungs-Cashflow)
  • Mietausfall / Leerstand
  • Inflations-Spreizung (Kosten steigen schneller als Mieten möglich)

Regulatorik

  • EEG-Reform (Mieterstrom-Zuschlag-Änderung)
  • Mietrechts-Reform (Mietendeckel, Kappungsgrenzen)
  • Steuerliche Änderungen (AfA, Sanierungs-AfA)
  • Klimagesetzgebung (CO2-Preis, Sanierungspflichten)

Operativ

  • Bauverzögerung
  • Material-Lieferengpässe
  • Provider-Insolvenz
  • Mietausfall einzelner Wohnungen

Risiken werden in Szenarien (Worst Case) abgebildet und als Sensitivität ausgegeben.

Nicht-finanzielle Kriterien

KriteriumBemerkung
Strategische PassungLiegt die Liegenschaft im Tätigkeitsgebiet aller relevanten Töchter?
Synergie mit BestandSkaleneffekte bei nahegelegenen Bestandsobjekten?
Reputation / MarkeEignung als Vorzeige-Objekt?
PersonalkapazitätKönnen die Töchter die Liegenschaft operativ bedienen?

Werden im Dossier dokumentiert, gehen aber nicht in den Berechnungs-Output ein.

Entscheidungsempfehlung

Workbench gibt eine Empfehlung pro tragendem Szenario:

  • Empfohlen — alle Schwellen erreicht, Risiko-Score grün
  • ⚠️ Bedingt empfohlen — kritische Schwelle knapp, Risiko-Score gelb
  • Nicht empfohlen — eine oder mehrere Schwellen verfehlt, Risiko-Score rot

Empfehlung ist Vorschlag, Entscheidung bleibt beim Management. Begründung wird im Dossier dokumentiert.

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