UC-01 · Liegenschaft bewerten
Status: Entwurf · Leitfall V1
Der zentrale Anwendungsfall: ein Mandats-Analyst der Holding bekommt eine Liegenschaft eines (Bestands- oder Neu-) Eigentümers zur Prüfung. Die Holding kauft die Liegenschaft nicht. Stattdessen konfiguriert der Analyst ein modulares Leistungspaket und prüft, ob es sich für den Eigentümer und für die Holding lohnt — über alle gewählten Module konsolidiert.
Trigger
Eigentümer (Mandant in spe) tritt mit einer konkreten Liegenschaft an die Holding heran und will wissen: welche Module bringen mir was, und was kostet/kostet mich nichts?
Akteur
- Primär: Mandats-Analyst (Vertrieb / Asset-Management der Holding)
- Mitwirkend: Stammdatenpfleger (für fehlende Provider/Material/Tarife), Modellierer (wenn neuer Modultyp benötigt), Management (Freigabe), Eigentümer (extern, als Empfänger des Angebots-Dossiers)
- Optional: Agent (KI-Assistenz, Modulvorschläge, Szenarien-Ranking)
Ablauf (Happy Path)
1. Anlage
Analyst legt neuen Case an, wählt Case-Typ liegenschafts_bewertung (Mandats-Variante) und das aktuell freigegebene Modell (z. B. Mandats-Wirtschaftlichkeit v2.3).
2. Eigentümer und Liegenschaft erfassen
- Eigentümer: bestehenden Mandanten wählen oder neu anlegen (Privatperson, WEG, Wohnungsgesellschaft, institutioneller Investor — siehe
../30-domain/03-objects-organisation.md). - Liegenschaft: Adresse, Lage, Eckdaten, Anzahl Gebäude/Wohneinheiten, Baujahr, aktuelle Mieten, vorhandene Energieausstattung. Falls Liegenschaft schon Stammdatum: einfach referenzieren.
→ neue/referenzierte Eigentümer- und Liegenschaft-Datensätze.
3. Module auswählen
Analyst wählt aus dem Modulkatalog die Pakete, die der Eigentümer wünscht (oder die der Analyst empfiehlt). Pflichtmodule gibt es nicht.
| Modul | Tochter | Typische Auswahl |
|---|---|---|
verwaltung | AHI | Hausverwaltung, Buchhaltung, Vermietung |
mieterstrom | AHBW | inkl. PV/Speicher, Submetering, Vertragspflege |
messdienst | AHBW | Submetering ohne PV (Standalone) |
abrechnung | AHBS | Miet-, BK-, HK-Abrechnung — auch standalone buchbar |
energieberatung | AHPW | Energieausweis, Beratung, Sanierungs-Konzept |
versicherung | AHV | Vermittlung Gebäude-/Haftpflicht/PV-Police |
mieter_access (perspektivisch) | AHC | Glasfaser-Hausanschluss + Mieter-Tarif |
Module sind nicht hierarchisch: Eigentümer kann z. B. nur versicherung + energieberatung buchen — die Workbench rechnet, was es bringt, ohne Verwaltung oder Mieterstrom „mitzudenken”.
4. Bedarfe und Gewerke je Modul
Pro gewähltem Modul markiert der Analyst die nötigen Gewerke / Bedarfe. Beispiele:
- Modul
mieterstrom→ Bedarfpv(Auslegung in kWp),speicher,messtechnik,elektrik. - Modul
verwaltung→ keine baulichen Bedarfe, aber Übergabe-Bestand (Mietverträge, Übergabeprotokolle). - Modul
energieberatung→ Bedarfenergieausweisund/oderberatung.
Pro Bedarf werden Mengen, Spezifikationen und ggf. Material erfasst.
5. Material, Dienstleistung und Provider auswählen
Pro Bedarf wählt der Analyst aus dem Stammdaten-Katalog:
- Material (Solarmodul-Hersteller X, Wechselrichter-Modell Y, Wärmepumpe Z, Smart-Meter-Hersteller A, …)
- Dienstleistung (PV-Installation, Wärmepumpen-Tausch, Energieausweis-Erstellung, …)
- Provider je Material und Dienstleistung — entweder:
- interne Tochter (Standardfall, z. B. AHBW für PV-Installation)
- externer Anbieter (z. B. lokaler Dachdecker, externes Abrechnungs-Service-Center, LVM als Versicherungs-Backend)
Pro Auswahl werden Preise, Konditionen, Vertragslaufzeiten aus den Stammdaten geladen.
6. Tarife und Verträge konfigurieren
Pro relevantem Vertragsobjekt:
- Mieterstrom-Tarif (Endkunde 23 ct/kWh + 2,43 ct/kWh Zulage, Laufzeit, EEG-Konformität)
- Mieter-Access-Tarif (perspektivisch) — z. B. 30 €/Mieter symmetrisch
- Wartungsverträge für PV/Wärmepumpe
- Lieferverträge für Material (Festpreise, Mengenrabatte)
- Versicherung (Gebäude, Haftpflicht, Ertragsausfall, PV)
- Verwalterhonorar (pauschal je VE oder %-Anteil Kaltmiete)
7. Berechnung läuft — zwei Sichten
Das Modell rechnet pro gewähltem Modul den Beitrag und gibt zwei parallele Ergebnis-Sichten:
a) Holding-Sicht (intern)
Pro Modul / Tochter: Umsatz, Kosten, Marge, Cashflow über Modul-Laufzeit. → je Modul ein Unit-Case.
b) Eigentümer-Sicht (extern)
Was bringt das Modulpaket dem Mandanten?
- Direkte Erlöse (Mieterstrom-Anteil Eigentümer, Mieter-Access-Provision)
- Eingesparte Aufwände (kein eigener Verwalter mehr, geringere Versicherungsprämien durch Bündel)
- CapEx-Beitrag des Eigentümers (PV/Speicher ggf. Eigentümer-finanziert oder Pacht)
- Wertsteigerung der Liegenschaft (Mietsteigerung durch energetische Modernisierung)
Die Mustervertrags-Aufteilung aus dem Excel-Case-Hauptblatt (12,72 € Holding / 15,04 € Eigentümer pro VE/Monat) wird hier konkretisiert; pro Mandat verhandelbar.
8. Aggregation zum Holding-Case
Aggregator verdichtet alle Unit-Cases (siehe 03-uc-portfolio-aggregation.md):
- Gesamt-Investition (CapEx aller gewählten Module — soweit Holding-finanziert)
- Gesamt-OpEx über Laufzeit
- Gesamt-Erlöse über Laufzeit (Holding)
- Holding-Cashflow, IRR, Amortisation
- Sensitivitäten (Strompreis, Mietsteigerung, Zinsänderung, Modul rein/raus)
→ ein Holding-Case pro Mandat als verdichtete Gesamtsicht.
9. Szenarien
Analyst klont den Case in Varianten:
- Worst Case: höhere Beschaffungskosten, niedrigere Strompreise
- Best Case: Förderung mitgenommen, voller Mieterstrom-Quote
- Variante: ohne PV — lohnt sich Mandat trotzdem?
- Variante: ohne Verwaltung (Eigentümer behält die Verwaltung selbst)
- Variante: nur interne Provider vs. Mix mit externen
- Variante: Modul-Reduktion — was bleibt, wenn der Eigentümer nur 2 Module bucht?
Detail siehe 04-uc-szenarien-was-waere-wenn.md.
10. Entscheidung
Analyst wählt das tragende Szenario (Modul-Set + Annahmen), schreibt eine kurze Begründung in das Dossier.
11. Freigabe
Management reviewt im Dossier:
- gewähltes Modulbündel
- Annahmen
- Ergebnistabelle pro Tochter + Holding-Aggregat
- Eigentümer-Sicht (was bekommt der Mandant)
- Szenarien-Vergleich
- Begründung des Analysten
→ Approve / Reject. Bei Approve werden Modellversion und Stammdaten-Snapshot eingefroren, Eigentümer-PDF (Angebot) und Holding-Dossier automatisch generiert.
12. Umsetzung & Aktiv
Nach Freigabe und Zustimmung des Eigentümers werden die Module operativ aufgesetzt (Verträge unterschreiben, Bauauftrag, Migration aus Alt-Verwaltung — alles außerhalb der Workbench). Der Case bleibt in Status aktiv mit Modul-spezifischem Monitoring.
13. Modul nachbuchen / kündigen
Eigentümer kann später Module hinzubuchen (mieter_access zwei Jahre nach Mandats-Start) oder einzelne Module zurückgeben. Die Workbench behandelt das als Folge-Case auf demselben Mandat — neuer Case, gleiche Liegenschaft, gleicher Eigentümer, geänderte Modul-Auswahl. Originaler Case bleibt unverändert im Archiv.
14. Archiv
Nach Mandats-Ende (Verkauf der Liegenschaft, Mandats-Kündigung) wird der Case revisionssicher archiviert.
Alternative Pfade
- Stammdaten unvollständig — Analyst legt Provider/Material/Tarif/Eigentümer ad hoc an oder beauftragt Stammdatenpfleger; Case bleibt
draft. - Modell ungeeignet — Analyst beauftragt Modellierer um Anpassung. Case wird auf neue Modellversion umgehängt.
- Holding-Case negativ — Reject. Begründung im Dossier. Auch ein Reject ist ein wertvolles Artefakt für spätere Vergleiche und Modul-Pricing-Anpassungen.
- Eigentümer-Case negativ — Wenn Eigentümer durch das Modulpaket keinen Vorteil hat, ist das Mandat nicht abschließbar; ggf. Modul-Reduktion oder Tarif-Anpassung in Folge-Szenario.
- Eigenbestand-Spezialfall — Wenn die Holding ausnahmsweise selbst Eigentümer ist (Bestands-Liegenschaften), wird die Eigentümer-Sicht der Holding-Sicht eliminiert (kein doppelter Posten); das Sheet „Energetische Sanierung Eigenbestand” aus dem Excel ist dieser Fall.
- Investorischer Renditerechner-Case — separater
case_type=renditerechnerfür Eigentümer, die den Erwerb einer Liegenschaft prüfen wollen (Sheet „Renditerechner Immobilien” im Excel). Das Modul-Bewertungs-Modell und der Renditerechner sind verschieden.
Erfolgskriterien
- Mandats-Analyst kann eine fremde Liegenschaft in unter 4 Stunden vollständig bewerten (Stammdaten vorhanden vorausgesetzt).
- Modulbündel ist frei zusammenstellbar — auch ein einziges Modul ist gültig.
- Holding-Case zeigt klar, welche Tochter welchen Beitrag liefert.
- Eigentümer-Case zeigt klar, was der Mandant netto gewinnt.
- Szenarien lassen sich ohne Excel-Klone rechnen — inklusive Modul-Variation.
- Jede Zahl im Dossier ist bis zur Quelle rückverfolgbar (Stammdaten-Snapshot, Modellversion, Eingabewerte).
Beteiligte Fachobjekte
(Detail in ../30-domain/ und Mapping in ../70-mapping-to-spec/01-fachobjekte-zu-entity-types.md)
Eigentümer(Mandant)Liegenschaft,Gebäude,Wohneinheit,ZählerModul(Codeliste —verwaltung,mieterstrom,messdienst,abrechnung,energieberatung,versicherung,mieter_access)Gewerk,BedarfspositionMaterial,Dienstleistung,ProviderVertrag(Mieterstrom, Wartung, Liefer-, Versicherung, Mieter-Access)Tarif(Mieterstrom-Tarif, Mieter-Access-Tarif)PV-Anlage,SpeicherTochtergesellschaft,HoldingCase,Dossier,SzenarioModell
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